Wicked Problem: Migration
UX-Konzept
PROJEKTART
Das 21. Jahrhundert hat weltweit einen exponentiellen Anstieg der Mobilität von Menschen erlebt. Auch wenn Migration schon immer ein wiederkehrendes Phänomen in der Geschichte war, hat die Menschheit noch nie eine derartige Vielfalt an Zielen, Beweggründen und Lebenssituationen erlebt.
Neben der Erfahrung der Migration selbst – einschließlich der möglichen Anpassung an eine neue Kultur oder Sprache – entstehen zahlreiche bürokratische Aufgaben, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums erledigt werden müssen, um den Aufenthalt im Gastland zu legalisieren.
Über das Projekt
August 2024
DATUM
Wie können wir Migrant:innen dabei unterstützen, die benötigten Informationen zu finden, ihre Einwanderungsaufgaben zu erledigen und ihr neues Leben zu beginnen? Wir hatten nur fünf Tage Zeit, um das Problem besser zu verstehen und mögliche Lösungen zu identifizieren. Daher haben wir uns intensiv in den Prozess eingearbeitet.

Das in dieser Fallstudie beschriebene Projekt befasst sich mit einem „Wicked Problem“ – einer komplexen Herausforderung ohne eindeutige Lösung. Im Fokus steht hier die Migration, ein Thema von zunehmender Bedeutung, da die globale Mobilität weiter zunimmt.

Der Prozess & Design Thinking
Valeriia Platova, Ivan Avellaneda, Charlie Moinet
TEAM
Empathie
1
Definition
2
Ideenfindung
3
Prototyping
4
Testen
5
1/Empathie
Wir begannen mit einem Brainstorming zu unserem Thema: den zentralen Herausforderungen und Schwierigkeiten, mit denen Menschen im Rahmen der Migration konfrontiert sind. Die CSD-Matrix half uns dabei, unsere Ideen zu sammeln und in drei Kategorien zu unterteilen: Gewissheiten, Annahmen und Zweifel. Der Prozess war herausfordernd und führte zu einer Vielzahl an Ideen und Hypothesen. Unsere Annahmen überprüften wir durch Sekundärrecherche und wählten schließlich fünf Hypothesen aus, die wir in den Interviews weiter vertieft haben.
  • Sprachbarrieren beeinflussen den Prozess der Erledigung bürokratischer Verfahren.
  • Migrant:innen haben große Schwierigkeiten, klare und verlässliche Informationen zu migrations- und integrationsbezogenen Aufgaben zu finden, da bürokratische Prozesse komplex sind.
  • Ein langer und komplexer Migrationsprozess kann emotionalen Stress verursachen und den Alltag stark beeinflussen.
  • Migrant:innen haben Schwierigkeiten, Online-Ressourcen zu finden und zu nutzen, die bei der Integration helfen könnten, wie Unterstützungsangebote, Jobmöglichkeiten und Bildungsangebote.
  • Digitale Plattformen und Online-Ressourcen spielen eine wichtige Rolle im Migrationsprozess, jedoch variiert die digitale Kompetenz von Migrant:innen stark.
Diese Annahmen waren:
Wir haben unsere Annahmen durch fünf ausführliche Interviews mit Personen validiert, die Migrationserfahrung haben.

2/Definition
Nach fünf Interviews haben wir mit Hilfe eines Affinity-Diagramms unsere Erkenntnisse in sieben Cluster organisiert. Durch die Dot-Voting-Methode konnten wir zentrale Themen in unserer Recherche identifizieren, wodurch unser Fokus auf digitale Plattformen und Zugänglichkeit fiel – ein entscheidender Faktor für Migrant:innen, die sich in komplexen bürokratischen Systemen zurechtfinden müssen.
Basierend auf unseren Interviews und der Recherche entwickelten wir ein Profil von Lin, einer internationalen Studentin aus China, die sich den Herausforderungen des Lebens in Frankreich stellt.

Nutzerpersona
Zugang zu Dienstleistungen
Erfahrung mit digitalen Plattformen
Mit der finalisierten Persona richteten wir unseren Fokus auf die Formulierung eines klaren, problemzentrierten Problem Statements. Nach intensiver Diskussion identifizierten wir den erschwerten Zugang zu zentralisierten Informationen als zentrale Herausforderung. Das Problem Statement lautete:
Internationale Studierende benötigen eine Möglichkeit, zentralen Zugang zu allen notwendigen Informationen zu Einwanderungs- und Verwaltungsprozessen zu erhalten, da sie sich von der Komplexität administrativer Aufgaben überfordert fühlen und Schwierigkeiten haben, verlässliche und vollständige Informationen zu Verfahren und Unterstützungsangeboten zu finden.

Unterstützung aus dem Umfeld
Fehlende integrierte Informationsangebote
Emotionale Herausforderungen
Sprachprobleme
Bildung
3/Ideenfindung
Für die Ideenfindung nutzten wir die „Crazy 8“-Methode: In nur acht Minuten skizzierten wir verschiedene Lösungsansätze, was uns half, unterschiedliche Ideen schnell zu explorieren. Die Konzepte reichten von einem sozialen Netzwerk, das Migrant:innen mit hilfsbereiten Einheimischen verbindet, bis hin zu einer gamifizierten Lösung, bei der migrationsbezogene Aufgaben als Levels in einem Spiel dargestellt werden.
Anschließend nutzten wir Dot-Voting, um unsere beste Idee auszuwählen. Schließlich entschieden wir uns für die Entwicklung einer personalisierten App, die einen klaren, individuell angepassten Aktionsplan für die jeweilige Situation und Ziele der Nutzer:innen bietet.
Nachdem wir die Hauptidee ausgewählt hatten, erstellten wir einen Task Flow:
Welcome
Onboarding / Register
A list of procedures to provide support
Register with Google account
Select procedures that capture the user’s interest
Main screen
Tap on procedure which needs to be completed
A questionnaire designed to define and personalize further support
Choose answers
A detailed, customized plan designed specifically to help the user reach their goals.
4/Prototyping
Basierend auf dem Task Flow erstellte jedes Gruppenmitglied einen eigenen handgezeichneten Prototyp.
Nach der gemeinsamen Diskussion einigten wir uns auf die Version, die wir weiterentwickeln wollten:
5/Testen
Wir mussten unsere Idee durch Concept Testing validieren. Das erhaltene Feedback war insgesamt positiv, es gibt jedoch immer Verbesserungspotenzial.

„Ich verstehe das Konzept. Der Weg zu den Visaanforderungen ist ziemlich klar.“
Test №1
„Der Startbildschirm wirkt überladen.“
Test №2
„Die Lösung scheint sehr nützlich zu sein. Ich würde gerne eine fertige Version davon sehen, um sie weiter zu erkunden.“

Test №3
„Interessante Idee, die Suche zu personalisieren, damit man keine unnötigen Informationen erhält.“
Test №4
Fazit
Nach der Identifikation der Herausforderungen, mit denen Migrant:innen konfrontiert sind, entschieden wir uns, den Fokus auf das am weitesten verbreitete Problem zu legen: das Fehlen eines zentralen, personalisierten Informations-Hubs, der die Suche nach relevanten Informationen oft überwältigend macht.
Wir entwickelten das Konzept einer App, die Nutzer:innen alle notwendigen Informationen zur Erledigung ihrer Migrations- und Verwaltungsschritte bereitstellt. Unsere Lösung bietet mehrere Vorteile: Personalisierung, eine gut strukturierte Informationsarchitektur sowie einen intuitiven Nutzerfluss.
Die Tests zeigten, dass das Konzept Potenzial für eine Weiterentwicklung hat.
Ein komplexes Problem in kurzer Zeit zu bearbeiten war herausfordernd, aber ein greifbares Ergebnis zu erreichen, hat den Aufwand mehr als gelohnt.
Danke fürs Lesen!
Valeriia